Die Ursprungsgeschichte der Schöpfung
Zu Anbeginn, noch ehe Raum und Zeit geboren waren, gab es nichts als die Unendlichkeit. Kein Leib, keine Idee, kein Gedanke unterbrachen die vollkommene Stille. Es gab kein Außen und kein Innen, nicht einen Lichtstrahl, der das Dunkel hätte durchdringen können. Keinerlei Empfindung, nur unendliche Glückseligkeit in unbewusstem Gewahrsein ihrer selbst. Reines, passives Sein in Perfektion.
So ruhte die Unendlichkeit in liebevoller Untätigkeit, wie schlafend in sich selbst. Sie tat nichts und sie wollte nichts, und sie war angefüllt mit vollkommener, fragloser Zufriedenheit und Liebe für ihr eigenes Sein.
Sie war alles und zugleich war sie nichts. Nichts, als pures, nacktes Potential in geborgenster Dunkelheit - ihrem eigenen Mutterschoß.
Und doch rührte es sich unablässig in ihr, aus ganz eigenem Antrieb, frei jeglicher Absicht, allein der Kernkraft ihrer Natur folgend, und wuchs…”
Ohne ihr Zutun, allein kraft ihrer Unendlichkeit reckte und streckte sich ihr Leib aus körperloser Grenzenlosigkeit – denn nur im Wachstum kann sie bestehen.
So kam es, dass sie - wie aus dem Nichts – irgendwann im zeitlosen Nichtraum ihrer selbst so zum Bersten voller Liebe war, dass sie sich selbst verdoppelte. Ihre Natur trieb die Wachstumskraft der Unendlichkeit dazu an, sich entzei zu teilen, um ihre grenzenlose Liebe in die unendlichen Räume des Alls zu gebären.
Sie befruchtete sich selbst, teilte ihren Kern und all dessen Kräfte mit diesem vollkommen neuen, zweiten Antlitz ihrer selbst. Und in ebenjenem Moment geschah das Unermessliche, und es geschah alles zugleich.
Die neue, zweite Unendlichkeit spaltete sich von ihrem Ursprung ab, wie mit einem eigenen Leib, sodass sie einander - und damit sich selbst - zum ersten Mal ins Angesicht schauen konnten. Und im Licht der Erkenntnis der Spiegelung ihrer selbst wurde sie sich zum ersten Mal ihres unendlichen Potentials bewusst.
Denn was sie da sah, das war zwar sie selbst, doch war es auch das ganze Gegenteil von ihr - diese neue Unendlichkeit brodelte nur so, schäumte über vor grenzenloser Aktivität und Erfahrungslust.
Beide waren sie Unendlichkeit, doch war die ursprüngliche Unendlichkeit in ihrer Untätigkeit frei jeglicher Absichten und somit frei jeglicher Aktivität. Die aus ihr geborene, neue Unendlichkeit jedoch, war in ihrem überbordenden Aktivitätsdrang die Fülle der unendlichen Möglichkeiten aller nur erdenklichen Absichten.
Mit ihrer Zellteilung - der Verdoppelung ihrer Kernkraft in der Spiegelung ihrer selbst - hatte eine Umkehr stattgefunden. Das ruhende, liebevolle Dunkel sah sich seinem übersprudelnden, pulsierenden Lichtleib gegenüber.
Und dieses Bewusstsein, diese Erkenntnis ihrer so ganz anderen, und doch ihr selbst entstammenden zweiten Natur, erschuf den ersten, feinsten Raum des Seins, die ursprüngliche Schöpfungswelle, den Initial-Impuls und ersten Klang des Lebens.
Im Brennpunkt ihrer Selbsterkenntnis entfaltete sich der erste Bewusstseinsraum – das Nullfeld und Sphäre aller Möglichkeiten - aus dem heraus alle Schöpfung sich entfaltet.
Denn da die beiden einander ansahen, entflammte die größte Liebe in ihnen, die es nur geben kann – die Liebe von Unendlichkeit zu Unendlichkeit. Unauslöschlich und sich ewiglich vervielfältigend, flog sie zwischen ihnen hin und her.
Die ruhende Unendlichkeit liebte die Idee all der grenzenlosen Möglichkeiten, die aus ihr hervorgegangen waren - so wie eine Mutter ihr Kind liebt. Und die neue, vor Aktivität pulsierende Unendlichkeit liebte die voller Wärme ruhende Unendlichkeit, in deren Schoß sie gereift war, und ihr all die grenzenlosen Möglichkeiten geschenkt hatte - so wie ein Kind seine Mutter liebt.
Die unendliche, stetig wachsende Liebe zueinander entfachte eine unbändige Neugier in der von Ruhe durchdrungenen Unendlichkeit, und so blickte sie in ihr eigenes, so ganz anderes Angesicht und fragte es:
»Wer bist du? Und wer willst du sein?«
Da leuchtete das Gesicht der lebensprühenden Unendlichkeit vor Freude auf und sprach: »Ich will dir von Herzen gerne zeigen, wer ich bin.«
Und immer heller leuchtete und flog die Liebe zwischen ihnen hin und her, als die Mutter antwortete, »Ja, bitte zeig es mir. Zeig es mir in allen Farben und Formen, in allen Facetten aller Klänge und Bilder all der Möglichkeiten und all der Ideen, die du in dir trägst. Und ich will dir zusehen, dich beobachten und spüren, wie meine Liebe zu dir immer weiterwächst, je mehr ich von dir erfahren darf. Mein unendlicher Segen begleitet dich auf all deinen Wegen und meine Kraft wird stets mit dir sein.«
»Das will ich! Danke!« Nach kurzem Innehalten fragte das kindliche Spiegelbild ihrer selbst noch, »Werde ich dich verlieren, wenn ich zu weit fortgehe?«
»Das ist nicht möglich«, antwortete die mütterliche Unendlichkeit. »Denn du bist aus mir entsprungen, als Teil meiner selbst. Ohne mich kannst du nicht sein, ebenso wenig, wie ich ohne dich sein könnte in meiner Unendlichkeit. So bin und bleibe ich ewig in dir und du ewig in mir. Und solltest du dies auf deinen Reisen je vergessen, so wird das untrennbare Band unserer Liebe dich stets daran erinnern. Es wird dir den Weg zu mir zurück leuchten, denn die unendliche Liebe ist die Nabelschnur zu deinem Ursprung und deiner Heimat in meinem Schoß, die dich ins Leben trägt.«
So schenkte die mütterliche Unendlichkeit ihrem Spiegel-Kind grenzenlose Freiheit, zu sein, was immer es sein wollte - und zugleich die Gewissheit, dass alles, was es je sein und tun würde, stets gut und gesegnet wäre.
Und so, den mütterlichen Reisesegen an sein Herz gepresst, machte die kindliche Unendlichkeit sich daran, auf die große Reise des Lebens zu gehen.
Kraft seines Willens nahm das Spiegelkind alles, was es war, und alles, was seine Mutter ihm geschenkt hatte, und ließ all dies in den Raum der Erkenntnis hineinfließen, um es mitzunehmen auf die große Reise - und so stürzte es sich selbst hinein.
Seine Unendlichkeit, seine Liebe, seine Freiheit, sein freier Wille, seine überfließende Schöpfungskraft und sein unbändiges Potential versprengten sich im Bewusstseinsraum der Erkenntnis, und schufen in einem einzigen Augenblick von Zeit gelöster Expansion die Ursuppe des Lebens.
Und kaum, da dies geschah, setzte sich der Prozess der ersten, wahrhaftigen Alchemie in Gang, um die lebendige Schöpfung zu gebären.
Die unbändige Kraft der überfließenden Fülle des Spiegelkindes, unablässig gespeist aus der unendlichen Liebe der mütterlichen Quelle, setzte kraft seines unbedingten freien Willens und seiner reinsten Absicht die Schöpfung in Gang.
In einer unermesslichen Kernexplosion seiner selbst sprengte das Spiegelkind den Raum der Erkenntnis und trieb ihn hinaus ins Multiversum, ergoss seine Bewusstseinsfunken glitzernd in die Materie.
Die Essenz des göttlichen Spiegelbilds wurde zu den Bausteinen des Multiversums und den Elementen des Lebens selbst. Und die begannen nun, sich neu zu begegnen, sich in Tausende und Abertausende Farben und Formen des Lebens zu verwandeln.
Sie ergossen sich in alle entstehenden Räume hinein und gebar die Elemente des Lebens. Wasser, Erde und Luft spalteten sich voneinander ab und sprangen in die Schöpfung hinein, um sich in ewiger Vielfalt neu zu entdecken. Und wo sie wieder aufeinandertrafen, riefen sie das Feuer zu sich, rauschten mit Blitz und Donner aufeinander, verschmolzen neu und wandelten sich. Sie formten Sterne und Planeten, Universen und Galaxien, Dimensionen und Räume, Zeit und Nichtzeit.
So war das Spiegel-Kind zum Schöpfer geworden, das sich selbst in Form unzähliger Kernfunken in die Unendlichkeit seines eigenen Seins hinaus gebar. Einer Ur-Sonne gleich, die ihre wärmenden, lebensspendenden Strahlen unablässig in die Welten hinaus sendet, und sie wach küsst in ihrem Licht.
Und jeder dieser Funken ihrer Selbst – dieser Bausteine allen Lebens - wird untrennbar von der mütterlichen Kraft durchdrungen und getragen, da sie als Tropfen aus dem unendlichen Ozean ihres Seins auf ins All sprühen.
Der Reisesegen unendlicher Liebe durchdringt sie, strömt unablässig zu ihnen hin, nährt und stärkt, beschützt und behütet, ermutigt und befeuert sie. Und so schenkt sie jedem Lebensfunken die Kraft, sein Potential in vollkommener Freiheit und Fülle zu erforschen.
So liebt und wächst alles, was ist - jede Zelle eines jeden Wesens, jeder Mensch und jedes Tier, jedes Sternenvolk und jeder unendliche Bewusstseinsfunke, jedes Wölkchen am Himmel und jeder Atem des Lebens - immer weiter über sich selbst hinaus, in die unendlichen Räume der Welten hinein und treibt sie an, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
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Dies ist die Geschichte der Geburt des Lebens selbst, der Entwicklung des Bewusstseins in den Raum und die Materie hinein, in der Erschaffung unendlicher Möglichkeiten. So ist dies auch die Geschichte der Erde und ihrer Kinder und die Geschichte allen Lebens in allen Welten und Weiten der unendlichen Schöpfung.
Und alle Funken, die aus diesem gewaltigen Bewusstsein geboren wurden und von seiner Essenz begleitet auf die große Reise gingen, streben unermüdlich danach, mit jedem Wimpernschlag, mit jedem Gedanken und mit jeder noch so winzig kleinen Tat, in unaufhörlichem Fluss die Antworten auf die Frage ihrer eigenen Quelle zu ihr zurückzutragen - der Frage, die sie in mütterlicher Liebe ihrem eigenen Spiegelbild stellte, und die ewig in uns allen widerhallt:
»Wer bin ich? Und wer will ich sein?«
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